Pflanzen bestimmen per App: Flora Incognita, PlantNet und Co.
Beim Spaziergang blüht am Wegesrand etwas Gelbes, im Garten wächst ein Kraut, das du nicht kennst, und die Zimmerpflanze von Oma hat nie einen Namen gehabt. Früher hättest du ein dickes Bestimmungsbuch gebraucht. Heute reicht oft ein Foto mit dem Handy.
Pflanzen-Apps nutzen künstliche Intelligenz, um Blätter, Blüten und Früchte zu erkennen. Einige davon stammen aus der Wissenschaft und sind komplett kostenlos. Andere kommen von kommerziellen Anbietern und setzen auf Abos.
Wir haben uns die bekanntesten Apps angeschaut und verglichen: Wofür sie gut sind, was sie kosten und wo ihre Grenzen liegen. Denn so beeindruckend die Technik ist, sie ersetzt kein Fachwissen, wenn es um Giftpflanzen geht.
So funktioniert die Pflanzenerkennung
Du fotografierst einen Teil der Pflanze, etwa die Blüte oder ein Blatt. Die App vergleicht das Bild mit einer großen Sammlung bestimmter Pflanzenfotos. Am Ende zeigt sie dir eine oder mehrere Arten mit einer Wahrscheinlichkeit an.
Die Qualität hängt stark vom Foto ab. Ein scharfes Bild der Blüte liefert deutlich bessere Ergebnisse als ein verwackeltes Foto aus der Ferne. Gute Apps fragen deshalb nach mehreren Aufnahmen, zum Beispiel Blüte und Blatt.
Ein zweiter Faktor ist die Datenbank. Eine App, die auf europäische Wildpflanzen spezialisiert ist, erkennt dein Gänseblümchen zuverlässig, tut sich aber mit einer exotischen Zimmerpflanze schwer.
Flora Incognita: die Forschungs-App aus Thüringen
Flora Incognita wird von der Technischen Universität Ilmenau zusammen mit dem Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena entwickelt. Die App ist kostenlos und werbefrei, denn sie ist Teil eines Forschungsprojekts.
Ihre Stärke sind heimische Wildpflanzen. Die App führt dich durch die Aufnahme und bittet je nach Pflanze um mehrere Fotos, etwa von Blüte und Blatt. Das erhöht die Trefferquote spürbar. Zu jeder erkannten Art gibt es einen Steckbrief mit Merkmalen, Verbreitung und Schutzstatus.
Deine Beobachtungen werden auf Wunsch mit Ort und Datum gespeichert und helfen der Forschung, etwa bei der Frage, wie sich die Verbreitung von Pflanzen verändert. In Vergleichen von Fachmedien schneidet Flora Incognita oft sehr gut ab.
Die Grenze: Zimmer- und Zierpflanzen aus Gärtnereien erkennt die App nur eingeschränkt.
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Pl@ntNet: die europäische Forschungs-App
Pl@ntNet stammt aus Frankreich und wird von einem Verbund mehrerer Forschungseinrichtungen betrieben. Auch diese App ist kostenlos und werbefrei.
Pl@ntNet ist nach Regionen organisiert. Du wählst zum Beispiel „Westeuropa“ oder eine bestimmte Flora aus. Neben Wildpflanzen erkennt die App auch viele Garten- und Zimmerpflanzen und Nutzpflanzen. Dafür ist die Oberfläche etwas nüchterner als bei Flora Incognita.
Ein Pluspunkt ist die Community: Nutzer können Bestimmungen anderer bestätigen oder korrigieren. So wird die Datenbank mit der Zeit besser.
Seek und iNaturalist: spielerisch die Natur entdecken
Seek by iNaturalist ist eine kostenlose App, die neben Pflanzen auch Tiere, Insekten und Pilze erkennt. Du hältst die Kamera auf ein Objekt, und die App bestimmt es live, Schritt für Schritt von der Gruppe bis zur Art. Abzeichen und Herausforderungen machen die App besonders für Kinder attraktiv.
Wer tiefer einsteigen will, nutzt iNaturalist. Dort teilst du deine Beobachtungen mit einer weltweiten Gemeinschaft, und Fachleute helfen bei der Bestimmung. Die Daten fließen auch in wissenschaftliche Projekte ein.
Google Lens, iPhone und PictureThis
Google Lens und das iPhone
Du hast vielleicht schon eine Pflanzen-App auf dem Handy, ohne es zu wissen. Google Lens ist in der Google-App und in Google Fotos integriert. Einfach ein Foto machen oder auswählen und auf das Lens-Symbol tippen.
Auf dem iPhone erkennt die Funktion Visuelles Nachschlagen in der Fotos-App Pflanzen und Blumen. Erscheint unter dem Foto ein Info-Symbol mit einem kleinen Blatt, tippe darauf. Beide Lösungen sind praktisch für den schnellen Blick, liefern aber weniger Hintergrundwissen als die Fach-Apps.
PictureThis
PictureThis ist eine kommerzielle App mit schicker Oberfläche, die besonders bei Zimmer- und Gartenpflanzen stark ist. Sie gibt auch Pflegetipps und hilft bei Krankheiten.
Der Haken: Nach wenigen Bestimmungen oder einer Testphase drängt die App zu einem kostenpflichtigen Abo. Wer das nicht will, sollte die Testphase rechtzeitig kündigen. Die aktuellen Preise stehen im App Store und bei Google Play.
Die Apps im Vergleich
| App | Kosten | Werbung | Stärke | Schwäche |
|---|---|---|---|---|
| Flora Incognita | Kostenlos | Nein | Heimische Wildpflanzen, Steckbriefe | Wenige Zierpflanzen |
| Pl@ntNet | Kostenlos | Nein | Breite Datenbank, Community | Nüchterne Oberfläche |
| Seek by iNaturalist | Kostenlos | Nein | Pflanzen, Tiere, Pilze, Live-Erkennung | Weniger Details |
| Google Lens | Kostenlos | Nein | Schon auf vielen Handys | Wenig Fachwissen |
| iPhone Visuelles Nachschlagen | Kostenlos | Nein | Direkt in der Fotos-App | Nicht immer verfügbar |
| PictureThis | Abo nach Testphase | Nein | Zimmerpflanzen, Pflegetipps | Kostenpflichtig |
Für die meisten Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die Kombination aus Flora Incognita für draußen und Pl@ntNet für Garten und Wohnung eine gute, kostenlose Lösung.
So gelingt die Bestimmung
Mit ein paar Tricks holst du deutlich mehr aus jeder App heraus.
- Nah rangehen. Fotografiere die Blüte oder das Blatt formatfüllend, nicht die ganze Wiese.
- Mehrere Teile aufnehmen. Blüte, Blatt von oben und unten, Stängel. Viele Arten unterscheiden sich nur in Details.
- Ruhiger Hintergrund. Halte bei Bedarf die Hand oder ein Blatt Papier hinter die Pflanze.
- Gutes Licht. Tageslicht ohne grelle Sonne liefert die besten Farben.
- Mehrere Vorschläge prüfen. Vergleiche die angebotenen Arten mit den Beispielfotos der App.
Vorsicht bei Giftpflanzen, Kräutern und Pilzen
So gut die Apps sind, sie irren sich manchmal. Das kann gefährlich werden, wenn du Wildkräuter sammelst.
Ein bekanntes Beispiel ist Bärlauch. Er sieht den Blättern von Maiglöckchen und Herbstzeitlose ähnlich, die beide giftig sind. Eine App-Erkennung allein ist keine sichere Grundlage, um etwas zu essen.
Bei Pilzen gilt das ganz besonders. Verlass dich niemals auf eine App. Lass Funde von einer Pilzberatungsstelle prüfen, die es in vielen Regionen gibt. Bei Verdacht auf eine Vergiftung wende dich sofort an einen Giftnotruf oder den Notruf 112.
Auch für Haustierbesitzer gilt: Ob eine Zimmerpflanze für Katzen oder Hunde giftig ist, klärst du im Zweifel lieber mit der Tierarztpraxis.
Krankheiten und Schädlinge erkennen
Manche Apps können mehr als nur den Namen einer Pflanze nennen. Sie helfen auch, wenn deine Zimmerpflanze gelbe Blätter bekommt oder die Tomaten im Garten Flecken zeigen.
PictureThis hat eine eigene Funktion zur Diagnose von Pflanzenkrankheiten. Du fotografierst das betroffene Blatt, und die App schlägt mögliche Ursachen und Maßnahmen vor. Diese Funktion ist allerdings meist Teil des Abos.
Google Lens liefert ebenfalls Hinweise, wenn du ein Foto eines kranken Blattes analysierst. Die Ergebnisse führen dich zu Websites mit ähnlichen Bildern. Das ist ein guter Startpunkt für die eigene Recherche.
Bei ernsten Problemen im Garten lohnt der Weg in eine Gärtnerei oder zum Pflanzenschutzdienst deines Landes. Dort kennt man die typischen Krankheiten der Region und kann gezielter helfen.
Mitmachen bei der Forschung
Jede Bestimmung mit Flora Incognita, Pl@ntNet oder iNaturalist kann der Wissenschaft helfen. Die Beobachtungen zeigen, wo welche Pflanzen wachsen und wie sich das über die Jahre verändert, etwa durch den Klimawandel.
Wenn du mitmachen willst, erlaube der App, Ort und Datum deiner Beobachtungen zu speichern. Achte auf gute Fotos und bestätige nur Bestimmungen, bei denen du dir sicher bist. So wird aus einem Spaziergang ein kleiner Beitrag zur Forschung.
Pflanzen-Apps mit Kindern nutzen
Pflanzen-Apps sind ein wunderbarer Anlass, mit Kindern nach draußen zu gehen. Aus dem Spaziergang wird eine kleine Entdeckungstour. Wer findet die meisten verschiedenen Blumen am Wegesrand?
Seek by iNaturalist ist dafür besonders geeignet, weil die App mit Abzeichen und Herausforderungen arbeitet. Flora Incognita punktet mit verständlichen Steckbriefen, die du gemeinsam lesen kannst. Erklär dabei auch gleich die wichtigste Regel: Nichts in den Mund nehmen, was die App bestimmt hat.
Ein schönes Projekt für die ganze Familie ist ein digitales Pflanzentagebuch. Viele Apps speichern deine Funde mit Datum und Ort. Am Ende des Jahres siehst du, welche Arten ihr entdeckt habt, und im nächsten Frühjahr erkennt ihr viele davon schon ohne App wieder.
Fragen
Welche Pflanzen-App ist die beste?
Für heimische Wildpflanzen ist Flora Incognita eine sehr gute Wahl. Für Garten- und Zimmerpflanzen ergänzt Pl@ntNet sie gut. Beide sind kostenlos.
Funktionieren die Apps ohne Internet?
Meist braucht die Erkennung eine Internetverbindung. Einige Apps bieten eingeschränkte Offline-Funktionen. Seek erkennt Arten teilweise auch direkt auf dem Gerät.
Darf ich geschützte Pflanzen fotografieren?
Fotografieren ist in der Regel erlaubt. Pflücken oder Ausgraben geschützter Arten ist dagegen verboten. In Naturschutzgebieten gilt außerdem: auf den Wegen bleiben.
Sind die Apps datenschutzfreundlich?
Flora Incognita und Pl@ntNet sind Forschungsprojekte ohne Werbung. Standortdaten kannst du in den Einstellungen meist steuern. Bei kommerziellen Apps lohnt ein Blick in die Datenschutzerklärung.